Genesungsbegleiter - Qualitätssicherung

Präambel

Die eigene Erfahrung mit seelischen Erschütterungen und die gelebte Recovery befähigen die Genesungsbegleiter sich reflektiert, strukturiert und qualifiziert einzubringen. Sie begleiten und unterstützen Menschen in ihren seelischen Krisen im Prozess des Wiedererstarkens und Genesens.

 

1. Geltungsbereich

Diese Stellenbeschreibung gilt für alle Mitarbeiter/Innen in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Bremerhaven Reinkenheide in der Funktion eines Genesungsbegleiters.

 

2. Grundsätze der Arbeitsorganisation

Bei den von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie erbrachten Leistungen gehen wir von einer nutzerorientierten, regionalen und lebensfeldbezogenen Begleitung aus, um damit den Prozess der individuellen Emanzipation und zu fördern.

 

3. Berufsgruppe Genesungsbegleiter

Bei den Genesungsbegleitern handelt sich um Menschen mit psychischen Erkrankungen gemäß ICD10 Diagnoseschlüssel der WHO und ihren individuellen Krisenerfahrungen.

Der Arbeitsansatz der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik geht von einer multifaktoriell bedingten Genese psychiatrischer Erkrankungen aus. Demzu- folge halten wir die Integration der Genesungsbegleiter für eine wesentliche Grundlage der Leistungserbringung.

Dabei orientieren wir uns an den individuellen Fähigkeiten und Stärken der o. g. Mitarbeiter.

Die Vorrausetzung für die Arbeit als Genesungsbegleiter ist eine ausreichende psychische Stabilität und die erfolgreich abgeschlossene EX-IN Ausbildung.

 

4. Einsatzort

Der Einsatzort der Genesungsbegleiter ist das jeweilige Lebensumfeld des Patienten

und eine Abteilung der psychiatrischen Klinik.

 

5. Anforderungen an die Mitarbeiter/Innen

Erwartet wird von den Genesungsbegleitern folgendes Wissen und folgende

Fähigkeiten:

- Erfahrungswissen und Eigensinn

- die eigenen Erfahrungen reflektieren und sich mit anderen darüber austauschen zu können, die Erfahrungen anderer Betroffener nachempfinden zu können um daraus übergeordnetes, gemeinsames Wissen abzuleiten

- die Fähigkeit, das eigene Handeln im Team reflektieren und die daraus gewonnenen

  Erkenntnisse umsetzen zu können

- Einfach „nur“ Zuhören ohne Lösungsvorschläge zu machen

- einfache Kommunikationskompetenz,

- die Befähigung, verbindliche von Einfühlsamkeit getragene Beziehungen eingehen zu

  können

- ein Verständnis für und von psychischen Störungen und seelischen Erschütterungen

  und Krisen

- angemessene und transparente Grenzen in Beziehungen gewährleisten zu können,

- Persönliche Kompetenz zur Alltagsbegleitung

- Unterstützung beim wieder „Stark“ werden (Wiedererstarken)

- die Bereitschaft zur kontinuierlichen unregelmäßigen Teilnahme an

  Teambesprechungen und Dienstübergaben

 -regelmäßige Teilnahme an Fallsupervisionen sowie an genesungsbegleitend

  orientierten Fortbildungen

- Interesse an der Weiterentwicklung eines recovery –orientierten Genesungssytems

 

6. Spezielle Aufgaben und Genesungsbegleitung

Die Fähigkeit eigene Erfahrungen zu reflektieren und mit anderen austauschen zu

können, soll in die Begleitungsarbeit in folgende Bereiche einfließen:

- Teilnehmer oder Co-Moderation in Gruppen (Suchtgruppe, Depressionsgruppe,

   Stationsgruppe)

- eigenverantwortliche Moderation einer Recoverygruppe

- Unterstützung bei der Integration in soziale und kulturelle

  Zusammenhänge (z.B. Begleitung in das Wohnumfeld)

- Informationen der Patienten über psychosoziale Angebote

- Mitarbeit bei genesungsfördernden Haltungen und Praktiken

- Mitarbeit bei der Entwicklung wirksamer Bewältigungsstrategien für den Patienten

- Fürsprache und Ermutigung für die Patienten zur Durchsetzung ihrer Rechte

- Übersetzerin und Vermittlerin für die

- Vermittler zwischen Patienten und Teammitarbeiter (z.B.Beantwortung

  von Fragen zur seelischen Befindlichkeit)

- Leitung eines niedrigschwelligen Gruppenangebotes (z.B. Fotogruppe)

- Gemeinsame Projekte im Rahmen der therapeutischen Gemeinschaft

- Teilnahme an Behandlungskonferenzen

- Teilnahme an Netzwerkgesprächen

- Fortbildung der Mitarbeiter/Innen in der Psychiatrie in Recovery (1-2 x im Jahr)

 

7. Aufgabenbereiche ( Begleitungs- und Lotsenbereiche)

7.1 Gestaltung individueller Lebensqualität

Das Angebot dieses Arbeitsbereiches beinhaltet u.a. folgende Begleitungs-möglichkeiten:

- Therapeutische Gemeinschaft (z.B. gemeinsames Essen, Unterstützung bei

   Alltagsaufgaben)

- Gestaltung im häuslichen Bereich

- Mobilität und körperliche Aktivitäten (z.B. Spaziergänge, Sportgruppe)

- Begleitung in der Findung von sozialer Beziehungen (z.B. „Dasein“, gemeinsames

  Tun)

 

8. Genesungsperspektive für den Alltag

Das Angebot dieses Arbeitsbereiches beinhaltet u.a. folgende Begleitungs-möglichkeiten:

- Begleitung bei der Gestaltung des Tagesablaufes ( zu Haus oder in der Klink)

- Findung von Interessen und der Begleitung in der Freizeit

- eigenverantwortliche Einzel– und Gruppenangebote der Genesungsbegleiter

 

9. Reflektion, Supervision, Fort- und Weiterbildung

Die kontinuierliche Weiterentwicklung bei den Tätigkeiten der neuen Berufsgruppe

Genesungsbegleiter.

Dazu dienen:

- Mitarbeiterentwicklungsgespräche

- die Teamsitzungen

- der Austausch mit allen Berufsgruppen

- die verbindliche Teilnahme an der Supervision

- die regelmäßige Fort- und Weiterbildung

- spezielle Schulung ( EX-IN Ausbildung )

- regelmäßige kollegiale Supervision

 

Teilnehmer:
R. Boettcher, B. Kowski, M. Jansen, J. Ahrens, H. Onsori, H. Heinitz, M. Abraham, A. Thiel und A. Lacroix