Klinik für Radio-Onkologie

Moderne Strahlentherapie bildet neben der Chirurgie und der medikamentösen Tumortherapie (Chemo-, Hormon- oder Antikörpertherapie) die dritte Säule in der Krebsbehandlung. Jährlich erkranken in der Bundesrepublik etwa 450.000 Menschen neu an Krebs und etwa 60% von ihnen brauchen im Verlaufe ihrer Erkrankung eine Strahlenbehandlung. Die moderne Strahlentherapie ist nebenwirkungsarm und sicher. Bei ca. 60% aller Krebsheilungen ist die Strahlentherapie maßgeblich beteiligt und spielt im interdisziplinären Konzept eine wichtige Rolle.

Der Einsatz der Strahlentherapie wird idealerweise in einer interdisziplinäre Tumorbesprechung entschieden (sog. Tumor Board), bei der alle maßgeblichen Fachdisziplinen zugegen sind. Unsere Klinik für Radio-Onkologie ist gemeinsam mit dem MVZ am Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide zur Behandlung von ambulanten Patienten an sechs Tumorzentren und acht wöchentlichen Tumorbesprechungen beteiligt, die sowohl im Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide als auch in benachbarten Krankenhäusern regelmäßig abgehalten werden. Strahlentherapie kann vor oder nach einer Tumoroperation erfolgen oder in einigen Fällen als alleinige, definitive Therapie. Nicht selten wird die Strahlentherapie gleichzeitig (simultan) mit einer Chemotherapie kombiniert, um die Wirksamkeit der Therapie zu erhöhen. Hierzu steht uns eine Bettenstation im 8. Stock des Krankenhauses zur Verfügung, mit 16 vollstationären und vier tagesstationären Plätzen.

Strahlentherapie wird nicht nur bei der Tumorbehandlung eingesetzt, sondern kann sehr erfolgreich bei einer Reihe benigner (gutartiger) Erkrankungen eingesetzt werden, wobei hier die applizierte Dosis und Anzahl der Bestrahlungen nur einen Bruchteil dessen sind im Vergleich zu einer Tumorbehandlung. Auch in sehr geringen Dosierungen können ionisierende Strahlen die Schmerzen lindern und Entzündungen und Schwellungen reduzieren. Meist werden wenige Sitzungen mit sehr geringen Einzeldosen wie 0,5 Gy eingesetzt. Häufige Indikationen hierfür sind:

  • Schmerzhafte und aktivierte Entzündungen und Arthrosen des Bewegungsapparates,  unter anderem:  a) Fersensporn, b) Kniearthrose, c) Schultersteife (Impigment), d) Rhizarthrose (Daumensattelgelenksarthrose), e) Bursitis throchanterica, f) Ossifikationsprophylaxe unmittelbar vor- oder nach einer TEP-Operation, g) endokrine Orbitopathie bei M. Basedow.
  • Verhinderung von Gynäkomastie beim Mann bei antiandrogener Therapie.

In der Klinik für Radio-Onkologie werden im Jahr ca. 1000 neue Tumorpatienten und ca. 300 Patienten mit benignen (gutartigen) Erkrankungen behandelt.

Weitere Perspektiven

Ein Anbau mit einem dritten Top-Linearbeschleuniger wurde 2016 realisiert, um dem Bedarf gerecht zu werden und das Therapiespektrum zu erweitern. Wir können nun auch speziellere Strahlentherapiemethoden anbieten wie:

  1. IMRT-Fluenzbestrahlungen in Bewegungsmodus mit wesentlich kürzeren Therapiezeiten,
  2. stereotaktische Bestrahlungen im Kopf- und Körperbereich und
  3. die sogenannte IGRT-Technik, mit der die beweglichen Tumoren (Beispiel Lungenkrebs) wesentlich genauer und effektiver behandelt werden können.