Die Herausforderungen durch Corona

Journalisten-Workshop am KBR: „Herausforderungen an ein Klinikum in Zeiten der Pandemie – und danach“

In einem Journalisten-Workshop hat das KBR die zahlreichen Herausforderungen und ergriffenen Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie dargestellt. Dabei ging es zum einen um den Rückblick (Wie war das im März, für was wurde geplant?), den Stand heute inklusive der Teststrategie sowie den Blick nach vorn, wie und in welcher Form „Corona“ das Klinikum auch weiter beschäftigen wird. Mit dabei waren neben den Referenten des KBR Journalisten vor Ort im Klinikum sowie via Live-Stream auch virtuell.

 

„Die Pandemie aus Sicht des Klinikums: Patientenzahlen, Krisenstab sowie Erläuterung des Testkonzeptes.“

Dr. Witiko Nickel, Pflegedirektor und Leiter des Corona-Krisenstabes am KBR gab einen Überblick, wie das KBR als Maximalversorger von der Pandemie betroffen war und ist. Im Februar 2020 hat das Klinikum erste Corona-Tests veranlasst, seit März tagt die „Corona Taskforce“ des KBR, im April wurden ersten Covid19-Patienten behandelt. Seitdem hat sich viel getan: In der Forschung, bei den RKI-Empfehlungen und auch am Klinikum.  

Insbesondere das umfängliche Testkonzept des KBR stieß auf großes Interesse bei den Journalisten. Am KBR werden alle Patienten vor ihrer Aufnahme auf SarsCov2 getestet. Alle Mitarbeiter in den „Hot Spots“ werden wöchentlich abgestrichen. Auch alle anderen Mitarbeiter haben die Möglichkeit, sich im Klinikum testen zu lassen.

Im Hinblick auf die aktuell steigenden Infektionszahlen in Deutschland und auch im Norden sagt der Leiter des Corona-Krisenstabes: „Wir sind in der Lage, innerhalb weniger Tage wieder Kapazitäten für Covid19-Patienten zu schaffen. Und: entsprechende Isolierbereiche werden auch künftig im klinischen Bereich relevant sein.“

 

„Die Umsetzung der Teststrategie sowie Vorstellung des PCR-Geräts.“

Der Chefarzt des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am KBR, Dr. Bernd Wolters, erläuterte die Herausforderung dieser Teststrategie am KBR. Dabei ging er zum einen auf die Schwierigkeit der Abstrich-Entnahme ein, zum anderen erläuterte er die Herausforderungen aus diagnostischer Sicht: „COVID-19 Patienten können über Wochen positiv bleiben. Zudem sind die Symptome von chronisch Kranken oft vereinbar mit COVID-19. Auch das macht die Viruserkennung schwieriger“, so der Chefarzt.

Seit Juni hat das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide ein eigenes PCR-Gerät zur Auswertung der Corona-Testabstriche. Hierfür hatte sich Dr. Wolters gleich zu Beginn der Pandemie eingesetzt. Die Lieferung verzögerte sich dann um mehrere Wochen, wie bei zahlreichen weiteren medizinischen Geräten und Material in diesem Jahr.

 

„Grundsätzlicher Umgang mit der Pandemie aus medizinischer Sicht sowie aktuelle Erkenntnisse.“

Prof. Dr. Martin Holtmann, Chefarzt der Medizinischen Klinik I sowie Leiter des Sachgebiet S8/Kliniker im Corona-Krisenstab am KBR, lieferte den umfassenden Überblick zu Corona und spannte den Bogen zum „Nationale Pandemieplan“.  Es gehe bei den drei Phasen der Infektionsbekämpfung um die Eindämmung der Ausbreitung, den Schutz gefährdeter Gruppen und um die Minderung der Folgen.

Prof. Holtmann beim Workshop

Prof. Holtmann stellte einen Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen „durch Corona“ fest: Mit dem „Corona-Lock down“ wurden bisherige Basisgüter wie Mund-Nasen-Schutz, FFP2-Masken und Desinfektionsmittel knapp. „Priorisierungsdiskussion wurden zu einem zentralen Bestandteil des operativen Geschäfts“, berichtet der Infektiologe. Neu ist auch, dass in der Medizinethik die Frage der Priorisierung Einzug gehalten habe.

 

„Anforderungen und Ausrüstung der Intensivstation.“

Vom „Intensivbett als zentrale Ressource“ berichtete auch PD Dr. Oliver C. Radke, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am KBR. Er erinnerte an die Diskussionen Anfang März, als die Krankenhäuser aufgefordert wurden, sich „auf die Katastrophe“ vorzubereiten. Die Intensivstationen sollten ihre Kapazitäten kurzfristig verdoppeln können.

Dr. Radke erläuterte das hierfür am KBR erarbeitete Stufenkonzept. Von Stufe 0 (Freihalten einer Doppelbox) bis hin zu Stufe 5 (Erweiterung der Intensivstation auf 45 Betten). In diesem Katastrophenszenario könnten 21 Covid19-Patienten intensivmedizinische betreut werden; die normale Patientenversorgung würde dann zum Stillstand kommen.

„Schlaganfall-Versorgung: Die Stroke Unit während und jenseits der Pandemie.“

PD Dr. Dr. med. Kai Boelmans, Chefarzt der Neurologischen Klinik des KBR, gab einen Einblick in die neusten Forschungserkenntnisse zu Corona und Schlaganfällen: „Eine COVID-19 Infektion stellt einen signifikanten Risikofaktor für einen Schlaganfall dar. Die Schlaganfallhäufigkeit für COVID-19 Patienten liegt bei ca. 1 Prozent“, so der Neurologe.

In den ersten Wochen der Pandemie verzeichnete seine Klinik einen deutlichen Rückgang von Schlaganfallpatienten. Das, so der Chefarzt, sei nicht darauf zurückzuführen, dass Schlaganfälle seltener vorgekommen seien, sondern weil die Patienten den Weg in die Krankenhäuser gescheut hätten. Dies sei gefährlich und habe sich mittlerweile wieder reguliert.

 

„Geburtshilfe: Die Geburtsstation in Corona-Zeiten.“

Die meisten Anfragen zum Thema Corona erhält das KBR von künftigen Patienten der Geburtshilfe. Corona betrifft somit auch Fachkliniken, die auf den ersten Blick kaum Berührungspunkte mit Covid19 haben. Jana Brömmer, Kinderkrankenschwester und Stationsleitung Geburtshilfe (kommissarisch) und Sonja Fehr, Hebamme und Leitung des Kreißsaals (kommissarisch) stellten die Geburtshilfe des KBR „unter Corona-Bedingungen“ dar.

Jana Brömmer und Sonja Fehr 

Nur zwei Gebärende am KBR waren bislang mit SarsCov2 infiziert und mussten entsprechend isoliert und unter Schutzbedingungen entbinden. „Das waren zwei erfahrene Mütter, die das sehr gut gemacht haben“, berichtete Fehr. Auch die zahlreichen nicht-infizierten Schwangere haben sehr viele Fragen zu Corona und insbesondere zum Besuchsverbot. Hierzu berichtete Brömmer: „Bei uns gilt ein strenges Besuchsverbot. Aber: Der Partner darf unter und nach der Geburt zu seiner Frau und seinem Kind. Für Geschwisterkinder gilt dies leider nicht.“ Familienzimmer werden am KBR weiterhin vergeben. In dem Fall wird dann auch der Partner auf Covid19 getestet.

 

„Zahlen, Daten, Fakten zu Patienten, Betten, Kosten und Gesetzen.“

Der kaufmännische Geschäftsführer des KBR, Thomas Kruse, stellte abschließend dar, welche finanziellen Auswirkungen die Corona-Pandemie auf das KBR hatte und hat. Die geforderte Ausweitung der Kapazitäten, insbesondere der Intensivbetten, und die Einschränkungen des Betriebs durch das Verbot elektiver Eingriffe hatte massive Erlösrückgänge zur Folge. Das Krankenhausentlastungsgesetz hat mit dem Rettungsschirm für die Krankenhäuser vieles (nicht alles) hiervon aufgefangen.

Der Geschäftsführer kritisiert, dass die Politik zwar vorgebe, die Krankenhäuser müssten auch weiterhin „ausreichend“ Kapazitäten für Covid-19-Fälle vorhalten, aber eben nicht definiere, was „ausreichend“ sei. Dies liege in der Verantwortung der Krankenhäuser und somit der Leistungserbringer.

Dass das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide bislang so gut durch die Pandemie gekommen sei, läge vor allem an den Mitarbeitern: „Sie verfügen über ein sehr hohes Fachwissen im Umgang mit Covid-19-Fällen und zeigen eine überdurchschnittlich hohe Einsatzbereitschaft“, so Kruse.

 

Im Anschluss ging es für die Journalisten noch auf eine kurze Führung durch das Haus – durch die Lobby und Absperrung, vorbei an der ZNA, hoch zur ITS, den Operationssälen und Lagerräumen.

(Fotos: KBR, Schimanke, Text: Katja Drczymalla)

 

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