KBR nimmt an europaweiter Studie zur Pflege teil

Der Fachkräftemangel in den Pflegeberufen ist seit Jahren bekannt – nicht nur in Deutschland. Einige Länder waren oder sind in einer vergleichbaren Situation, haben hierauf aber in anderer Weise reagiert. Zu den so genannten „Magnet Krankenhäusern“ startet eine groß angelegte Studie der EU. 20 Krankenhäuser aus Deutschland haben die Auswahlkriterien erfüllt. Mit dabei: Das Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide.

„Die Studie unter dem Titel „Magnet 4 Europe“ dient nicht nur der Wissenschaft. Es wird ganz konkrete Veränderungen auch bei uns geben“, kündigt der Pflegedirektor des KBR, Dr. Witiko Nickel an. Vorbild und Partner der Studie sind die so genannten „Magnet-Hospitals“ aus den USA. Hier wurde bereits in den 80er Jahren der Mangel an Pflegefachpersonen deutlich. Allerdings gab es dort einzelne Kliniken, die trotz allgemeinem Personalmangel deutlich weniger Probleme hatten, die offenen Stellen zu besetzen. Über mehrere Jahre hinweg wurde sich pflegewissenschaftlich und organisationspsychologisch mit diesem Thema beschäftigt, um den Erfolg dieser einzelnen Kliniken zu identifizieren. Das Ergebnis: die betreffenden Krankenhäuser wiesen alle vergleichbare Organisationsstrukturen auf. Diese sogenannten „Magnetkräfte“ sind beispielsweise: Die Übertragung von pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen in die pflegerische Praxis, der Einbezug von Pflegekräften in die Konzeption klinischer Versorgungskonzepte als aktive Partner auf Augenhöhe und ein engagierter und kooperativer Führungsstil der Führungskräfte.

Was die Forschung auch zeigt: Die offiziell zertifizierten Magnet-Krankenhäuser haben auch weniger Probleme, geeignete Bewerber aus anderen Berufsgruppen zu finden und sind gegenüber anderen Kliniken besser in puncto Patientenversorgung. Denn eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit führt zu einer besseren Versorgungsqualität unserer Patientinnen und Patienten.

Das KBR hat sich 2019 für die Teilnahme an der Studie beworben – erfolgreich. In diesem Herbst beginnt die Umsetzung. Zuerst wird eine Basisdatenerhebung durchgeführt: Pflegekräfte und Ärzte beantworten Fragen zum psychischen Wohlbefinden hinsichtlich der Arbeit, die sie tagtäglich verrichten. Dann wird jedem teilnehmenden Krankenhaus ein amerikanisches Magnet-Krankenhaus zugeordnet, mit dem über mehrere Jahre hinweg ein Austausch erfolgen soll. Gemeinsam werden dann organisatorische Änderungen geplant und umgesetzt. Ziel: die Arbeitsprozesse und Arbeitsbedingungen verbessern. Der Erfolg wird regelmäßig durch Fragebögen evaluiert. Deutschland- und Europaweit finden zusätzlich Netzwerktreffen statt, um die Umsetzung der Maßnahmen zu begleiten. Die Studie ist zunächst auf drei Jahre angelegt, die Teilnahme der deutschen Krankenhäuser wird von der TU Berlin koordiniert.

„Wir haben dadurch die Möglichkeit, erfolgreiche Organisationsdetails in einem anderen Land kennenzulernen und idealerweise auf unser Klinikum adaptiert zu übertragen“, sagt Jenny Wiebe, die zusammen mit Luisa Forquignon und Patrick Focken für die Durchführung und die Koordination der Studie am KBR verantwortlich ist. „In den nächsten Jahren – und jetzt schon – ist die eine Herausforderung, genügend Pflegekräfte zu gewinnen.“ Das gelingt nur, wenn man Pflegekräften die Möglichkeit gibt, mit zu entscheiden und zu gestalten. „Eine entscheidende sogenannte Magnet-Kraft ist beispielsweise die Autonomie von Pflegekräften in der klinischen Versorgung“, so Nickel.

 

Die Magnet 4 Europe Koordinatoren am KBR: Luisa Forquignon, Patrick Focken & Jenny Wiebe (v. l. n. r.)

Dabei geht es darum, Pflege aktiv in die Versorgung einzubinden und nicht als ausschließlich für die Verabreichung von Injektionen und Tabletten zuständiges Personal zu sehen. Alle an der Therapie eines Patienten beteiligten Berufsgruppen müssen auf Augenhöhe miteinander zusammenarbeiten. Nach dem Magnet-Programm muss es dafür einen organisatorischen Rahmen geben, der das ermöglicht. Um eben diese Verbesserungen der organisatorischen Maßnahmen geht in der Studie. In der Klinik sind dafür verschiedene Arbeitsgruppen vorgesehen und spezielle Magnet-Koordinatoren.

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